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24. April 2026

Die Lichtblicke der Polizeilichen Kriminalstatistik

Weniger Straftaten, weniger Tatverdächtige und so wenig Gewaltkriminalität wie seit 2021 nicht mehr: Die neue Kriminalstatistik enthält durchaus gute Nachrichten. Wie Verbreiter von Falschnachrichten trotzdem versuchen, die Zahlen zu verdrehen.

Liebe Community,

seit Anfang der Woche spreche ich gefühlt über nichts anderes: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2025 ist erschienen. Und sie enthält erst einmal gute Nachrichten: Die Polizei registrierte weniger Straftaten, weniger Tatverdächtige und das erste Mal seit 2021 sogar weniger Gewaltkriminalität.

Trotzdem: Die Statistik ist seit Montag öffentlich verfügbar, und noch am selben Tag verbreiteten sich die ersten Falschaussagen in den Sozialen Netzwerken. Nicht, dass wir nicht darauf vorbereitet waren – im Gegenteil. Weil wir jedes Jahr Desinformation dazu sehen, habe ich eine Übersicht zu bekannten Narrativen rund um die PKS geschrieben. Auf jede einzelne Falschmeldung vorbereitet zu sein, klappt dann aber doch nicht. Zum Beispiel haben wir die Behauptung nicht kommen sehen, dass der Rückgang in der Gesamtkriminalität hauptsächlich mit der Legalisierung von Cannabis zu erklären sei. Das ist falsch: Das sagte Innenminister Dobrindt bereits während der Pressekonferenz (ein Faktencheck unserer Redaktion dazu erscheint noch heute).

Nicht alle Zahlen in der Statistik geben Grund zur Freude. Viel zitiert wird etwa die gestiegene Anzahl an angezeigten Vergewaltigungen. 8,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor und jede einzelne ist eine zu viel. Laut dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes Holger Münch sind die Tatverdächtigen (denn wenn ein Fall in die PKS einfließt, hat noch kein Gericht über Schuld oder Unschuld entschieden), zu etwa 70 Prozent aus dem Bekannten- oder Familienkreis der Opfer und überwiegend männlich.

Außerdem, und diese wichtige Einordnung unterschlagen Populisten, ereigneten sich 46 Prozent der Fälle, die in der Statistik 2025 gezählt wurden, nicht im gleichen Jahr. „Das ist ein Indikator für gestiegene Sensibilität“, erklärte Münch. Die Zahlen sieht er als Hinweis (jedoch nicht als Beleg) auf eine sogenannte Dunkelfeldaufhellung. Als Dunkelfeld bezeichnet man den Teil der Kriminalität, der der Polizei unbekannt bleibt, weil nicht alle Straftaten angezeigt werden. Eine Aufhellung bedeutet also in diesem Fall, dass Betroffene, die ohne die gestiegene Sensibilisierung einen Übergriff nicht angezeigt hätten, jetzt eben doch zur Polizei gingen – auch wenn der Vorfall schon länger zurücklag.

Darauf, dass Zahlen der PKS aus dem Kontext gerissen oder verdreht werden, sind wir vorbereitet. Wenn ihr in den kommenden Tagen und Wochen also Beiträge dazu seht, die euch zu reißerisch, zu polemisch, zu schwarz-weiß aussehen: Reicht sie im Faktenforum ein und lasst uns gemeinsam dazu recherchieren!

Liebe Grüße

Sara Pichireddu

Lese- und Schautipps

Polizeiliche Kriminalstatistik: Fünf Behauptungen im Faktencheck
Obwohl die Polizeiliche Kriminalstatistik kaum pauschale Aussagen erlaubt, ist immer wieder von „Migrantenkriminalität“ oder „explodierenden“ Fallzahlen die Rede. Dahinter stecken oft falsche Interpretationen – manche bedienen rechtspopulistische Narrative.
correctiv.org

„So entlarvt du Bullshit“
Selbst Diskussionen, bei denen es um Zahlen und Daten geht, bleiben längst nicht immer sachlich. Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim erklärt auf ihrem Youtube-Kanal, wie bestimmte Scheinargumente funktionieren und was eine konstruktive Debatte ausmacht – mit Lego-Steinen!
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Grafiken & Statistiken: Wenn Zahlen täuschen
Zahlen und Grafiken sollen oft Argumente untermauern, sie seriöser erscheinen lassen – doch nicht immer stimmen sie. Im Faktenforum-Handbuch zeigen wir, wie ihr sie überprüft und teilen Tipps, um Zahlen aus der PKS besser einzuordnen (dafür müsst ihr angemeldet sein).
faktenforum.org