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16. March 2026

Traue (k)einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

Wenn Zahlen lügen – wir haben in einem Workshop besprochen, wie man sich von Diagrammen und Tabellen nicht in die Irre führen lässt. Die wichtigsten Tipps.

Liebe Community,

Lügen mit Zahlen kann ziemlich einfach sein. Das liegt wohl daran, dass Zahlen, Diagramme und Statistiken so verführerisch offiziell aussehen – sind es nicht gerade solche Belege, die Fakten von Meinungen unterscheiden? Nicht zwingend. In der Faktencheck-Redaktion begegnen uns immer wieder Behauptungen, bei denen Zahlen verzerrt, aus dem Kontext gerissen oder komplett gefälscht werden.

Eine Statistik kann man befragen, wie in einem Interview. Darum ging es in unserem Workshop letzten Dienstag, hier haben wir die wesentlichen Punkte auf einer Seite gesammelt.  

Warum ist das wichtig? Falsche Zahlen verzerren unsere Sicht auf die Welt. Etwa wenn es heißt, dass Geflüchtete in Deutschland besonders kriminell sind oder fast alle Ukrainerinnen und Ukrainer Bürgergeld beziehen. Beides stimmt nicht. Doch die Verbreitenden verlassen sich darauf, dass niemand die Zahlen überprüft. Dabei kann das in vielen Fällen jeder und jede einfach tun: Die Polizeiliche Kriminalstatistik genauso wie Zahlen zu Geflüchteten unter den Bürgergeldbeziehenden sind öffentlich verfügbar. 

Klar, im ersten Moment kann einen so ein Dokument wie die PKS ziemlich erschlagen. Man stürzt in tausende von Zahlen und Zeilen, Prozentangaben und kryptisches Juristenvokabular. Aber keine Panik! 

Das Wichtigste: Vorher wissen, worüber man sprechen will. Zur PKS gibt es Interpretationshilfen, die einige Begriffe (zum Beispiel die Tatverdächtigenbelastungszahl) erklären. Die Straftaten mit ihren komischen Bezeichnungen lassen sich leicht mit dem dazugehörigen Paragrafen ergooglen. 

Die PKS ist sicher nicht die Antwort auf alle Fragen. Allein schon, weil sie nur einen Bruchteil des Kriminalitätsgeschehens, das sogenannte Hellfeld, darstellt. Aber an ihr lässt sich gut illustrieren, was Mitglieder des Faktenforums natürlich eh schon wissen: Verbreiter von Desinformation setzen auf Passivität und trauen ihrem Publikum nicht zu, Aussagen selbst zu überprüfen. 

Das ist, was mich persönlich bei Checks wie diesem hier zu Ausländerkriminalität so motiviert: Die Urheberinnen und Urheber geben sogar die PKS als Quelle an – nur um dann Zahlen einfach zu erfinden. Ich fühlte mich unterschätzt. Falls es euch genauso geht: Mut zur Mathematik! Werdet skeptisch, wenn ein Diagramm keine Quelle angibt, oder der Abschnitt der y-Achse merkwürdig gewählt scheint. Fragt euch, wieso jemand betont, etwas sei „unter den besten zehn“ und nicht „unter den besten fünf“. Und lasst euch von großen Excel-Tabellen nicht einschüchtern. 

Viele Grüße
Sara Pichireddu

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