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16. March 2026

Traue (k)einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

Wenn Zahlen lügen – wir haben in einem Workshop besprochen, wie man sich von Diagrammen und Tabellen nicht in die Irre führen lässt. Die wichtigsten Tipps.

Liebe Community,

„Eine kleine Pille“, die ziemlich viel verspricht: Sie soll den Blutdruck senken, Tinnitus heilen und einen vorzeitigen Samenerguss verhindern. Auf Tiktok fanden meine Kolleginnen Kimberly Nicolaus und Paulina Thom zahlreiche Videos, die behaupten, das alles könne eine Kapsel mit Roter Bete bewirken. Klingt zu gut, um wahr zu sein. Aber ist vielleicht doch was dran? Um das herauszufinden, sprachen die beiden mit Ärzten, Wissenschaftlern und einer Expertin der Verbraucherzentrale.

Fakt ist: Rote Bete kann im Körper zu Stickstoffmonoxid umgewandelt werden. Das kann den Blutdruck kurzfristig leicht senken. Doch das reicht nicht, um die Versprechen der Videos zu erfüllen. Arterienverkalkungen rückgängig machen oder Herzinfarkte verhindern? „Diese Aussagen sind medizinisch falsch“, fasst Carsten Tschöpe, Professor für Kardiologie, zusammen.
Das ist typisch für medizinische Desinformation: Sie stellt aus einem Körnchen Wahrheit Zusammenhänge her, die durch Studien nicht erwiesen oder sogar widerlegt sind. Rote Bete senkt den Blutdruck (zwar nur kurzfristig und minimal), ein Risikofaktor für Herzinfarkt (unter vielen) ist hoher Blutdruck, also müssen die Kapseln ja wirken? Eine voreilige Schlussfolgerung, und falsch.

Wer nicht aus dem Gesundheitswesen kommt, hat es schwer, aus Studien die richtigen Schlüsse zu ziehen oder ihre Seriosität zu beurteilen. Im Faktenforum müssen wir das aber immer wieder tun. Deshalb laden wir Jörg Hunke von der Hochschule Osnabrück und Daniel Pach von der Charité Berlin ein. Sie kennen sich in der Wissenschaft und im Journalismus aus und geben euch im Workshop am Donnerstag Tipps, wie ihr seriöse Studien findet, ihre Qualität erkennt und Ergebnisse verständlich zusammenfasst.

Die Tiktok-Videos wirken auch seriös, weil Ärztinnen und Ärzte  die Kapseln bewerben. Allerdings gegen ihren Willen: Zwar sind sie darin zu sehen, ihre Stimmen und Mundbewegungen wurden aber verändert. Die Videos sind Deepfakes. Paulina und Kimberly sprachen mit Betroffenen, die vergeblich versucht haben, sich dagegen zu wehren. Was sie berichten und warum die Fakes gleich gegen mehrere Gesetze verstoßen könnten, lest ihr im Artikel in den Lesetipps.

Zum Schluss noch ein Aufruf an alle im Raum Aachen: Dort hat sich die erste Faktenforum-Lokalgruppe gegründet. Sie wollen gemeinsam lokale Falschbehauptungen recherchieren und einordnen. Bald soll das erste Treffen stattfinden. Wann und wo, erfahrt ihr im Forum

Viele Grüße
Anna Süß

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