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Falsch

15. January 2026

Deutschlandticket: Tiktok-Video erfindet drastischen Preisanstieg für 2026

Das Deutschlandticket gilt bundesweit im öffentlichen Nahverkehr. Über den Preis entscheiden die Länder.

Das Deutschlandticket gilt bundesweit im öffentlichen Nahverkehr. Über den Preis entscheiden die Länder.

Bild: Thorsten Wagner / Picture Alliance / W2Art

Behauptung

Die Bundesregierung plane, den Preis des Deutschlandtickets ab Ende 2026 auf 129,99 Euro zu erhöhen.

tiktok.com

Einordnung

Für eine Preiserhöhung für das Deutschlandticket auf 129,99 Euro ab Ende 2026 gibt es weder einen Beschluss noch bekannte Pläne. Fest steht nur: 63 Euro ab Januar 2026; danach ist eine indexbasierte Erhöhung vorgesehen.

Faktensammlung


In einem TikTok-Video behauptet ein Mann, die Bundesregierung plane, den Preis für das Deutschlandticket ab Ende 2026 auf 129,99 Euro pro Monat anzuheben. Im Video zeigt er einen angeblichen Artikel, der diese Aussage stützen soll. Titelbild des Artikels ist Friedrich Merz, der ein Schild mit der Aufschrift „Deutschlandticket 129,99 Euro“ hält. Das Video hat 280.000 Aufrufe.


Das Bild ist mutmaßlich KI-generiert. Mehrere Details lassen Zweifel aufkommen: Die Hand und das Ticket wirken im Verhältnis viel zu groß, das Ticket hat das Datum „5/2025“ und das gesamte Bild hat einen weichgezeichneten Effekt. Das Logo des Deutschlandtickets ist nicht richtig dargestellt: Die horizontalen Linien im echten Logo ähneln im Original der Form der deutschen Landkarte, das ist im Tiktok-Video nicht der Fall. Eine Rückwärtssuche nach dem gezeigten Bildmotiv liefert keine Treffer. Auch die Suche nach dem angeblichen Artikel bleibt ergebnislos. In einem SWR-Artikel, der im Video ebenfalls gezeigt wird, steht nichts von einer solchen Erhöhung. Eine Quelle für die Behauptung ließ sich nicht finden – unsere Anfrage an den ursprünglichen Verbreiter des Videos blieb unbeantwortet.


Über den Preis des Deutschlandtickets entscheiden die Verkehrsminister der Bundesländer auf der Verkehrsministerkonferenz. Der Bundesverkehrsminister nimmt als Gast ohne Stimmrecht teil. Die letzte Verkehrsministerkonferenz hat im Oktober 2025 stattgefunden, die Beschlüsse sind öffentlich einsehbar. Es wurde festgelegt, dass der Preis für das Deutschlandticket ab dem 1. Januar 2026 auf 63 Euro pro Monat steigt. Für die Zeit ab 2027 gibt es keinen festen Betrag, stattdessen einen sogenannten Preisindex. Darin sollen etwa Personal- Energie-, und allgemeine Kostensteigerungen einfließen. Ein Preis von 129,99 Euro ab Ende 2026 enthalten die Beschlüsse nicht.


Auf Anfrage des CORRECTIV.Faktenforums bestätigte uns ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, dass der Nahverkehr und damit auch die Umsetzung des Deutschlandtickets nach dem Grundgesetz in die Zuständigkeit der Bundesländer fällt. „Pläne zur Erhöhung des Ticketpreises auf 129 Euro sind hier nicht bekannt“, schrieb uns der Sprecher. Der Bund habe sich verpflichtet, bis einschließlich 2030 das Angebot mit 1,5 Milliarden Euro jährlich zu unterstützen. Die Preisgestaltung selbst obliegt den Ländern, die sich auf eine Erhöhung auf 63 Euro geeinigt hätten.


Kontext: Das Deutschlandticket für den gesamten öffentlichen Nahverkehr ist seit dem 1. Mai 2023 verfügbar. Das Ticket knüpft an das Neun-Euro-Ticket an, das die Bundesregierung im Sommer 2022 eingeführt hatte. Wie sein Vorgänger zielt auch das Deutschlandticket nach Angaben der Regierung darauf ab, Bürgerinnen und Bürger angesichts hoher Energiepreise finanziell zu entlasten. Gleichzeitig soll es den Nahverkehr attraktiver machen, den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn fördern und so einen Beitrag zu den Klimazielen leisten. Umwelt- und Fahrgastverbände kritisieren jedoch den Preisanstieg.


Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Nadia Westerwald; Redigatur: Viktor Marinov