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Falsch

22. January 2026

Führerschein-Verlängerung für Senioren: Keine neue Gesetzeslage ab 2026

Für die Verlängerung eines regulären Führerscheins der Klasse B braucht es keine medizinische Untersuchung, unabhängig vom Alter

Für die Verlängerung eines regulären Führerscheins der Klasse B braucht es keine medizinische Untersuchung, unabhängig vom Alter

Bild: Ramiro Pianarosa / Unsplash

Behauptung

Ab Januar 2026 trete ein neues Gesetz in Deutschland in Kraft, welches Autofahrerinnen und -fahrer ab 70 Jahren zu einer regelmäßigen gesundheitlichen „Selbstauskunft“ verpflichte.

youtube.com

Einordnung

Ein neues Gesetz für ältere Autofahrende ab Januar 2026 ist weder beschlossen noch geplant. Die kursierenden Videos schüren Angst mit vagen Behauptungen.

Faktensammlung


In mehreren Youtube-Videos werden Seniorinnen und Senioren über 70 gewarnt: Ab Januar 2026 gelte für sie ein neues „Fahrgesetz“. Eines der Videos beschreibt die vermeintliche neue Regelung so: „Ab dem 70. Geburtstag gilt künftig. Alle 5 Jahre muss eine Selbstauskunft zur gesundheitlichen Fahrtauglichkeit abgegeben werden.“ Der YouTube-Kanal „Rentner heute“ fragt im Thumbnail, ob sogar ein „Fahrverbot“ drohe. Allein dieses Video hat rund 120.000 Aufrufe.


Die Videos erscheinen auf unterschiedlichen Kanälen, doch sie ähneln sich im Stil, Thumbnails und Beschreibungen weisen Parallelen auf. Es gibt immer wieder Anzeichen, dass sie mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurden: In zwei Videos sprechen Frauen, deren Lippenbewegungen unnatürlich wirken. In einem Video verändert sich der Hals der Sprecherin mehrfach. In einem weiteren Video hält ein Mann eine Zeitung mit Text darauf – doch die Worte ergeben teilweise keinen Sinn. Ein anderes Video enthält vermutlich Teile des KI-Prompts, der zur Erstellung genutzt wurde. Die Sprecherin sagt: „Kurzer Pattern Interrupt: Zeigen Sie ein eingeblendetes Stopp-Schild in übergroßer Darstellung für zwei Sekunden und wechseln Sie dann zurück ins normale Bild.“ Statt eines Stopp-Schildes sieht man die mutmaßlich KI-generierte Sprecherin. Zwei der drei Videos weisen inzwischen in der Beschreibung darauf hin, dass sie „veränderte oder synthetische Inhalte“ enthalten.


Weder im Bundesgesetzblatt noch auf den Webseiten des Verkehrsministeriums gibt es Hinweise auf eine entsprechende Regelung oder Gesetzesänderung, die ab Januar 2026 gelten würden.


Die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland sieht für die Verlängerung von PKW- und Motorrad-Führerscheinen keine gesundheitlichen Untersuchungen oder Selbstauskünfte vor. Ärztliche Prüfungen erfolgen altersunabhängig nur bei bestimmten Krankheiten. Anders bei LKW- und Bus-Führerscheinen: Zur Verlängerung müssen Fahrerinnen sich untersuchen lassen, ob Erkrankungen vorliegen, die die Eignung beeinträchtigen. Zudem wird ihr Sehvermögen getestet. Busfahrer ab 50 Jahren müssen zusätzlich psychologische Tests absolvieren, um Belastbarkeit, Orientierungs- und Reaktionsfähigkeit zu prüfen.


Führerscheine, die vor 2013 ausgestellt wurden, müssen bis 2033 in den neuen EU-Führerschein umgetauscht werden. Das erfolgt gestaffelt: Bis zum 19. Januar 2026 sind Führerscheine aus den Jahren 1999 bis 2001 dran. Für die zwischen 2002 und 2004 ausgestellten gilt der 19. Januar 2027 als Frist. Für Motorrad- und PKW-Führerscheine sind weder Prüfungen noch Gesundheitsuntersuchungen erforderlich. Beim ADAC heißt es dazu: „Bei Ablauf der Befristung wird das Dokument auf Antrag verwaltungsmäßig umgetauscht, also ohne Untersuchung oder Prüfung.“ Die neuen Führerscheine und jene, die danach erstellt wurden, sind 15 Jahre lang gültig. Ausnahmen gibt es auch hier für bestimmte LKW- und Busführerscheinklassen.


Regelungen für ältere Menschen mit Fahrerlaubnis werden in Deutschland und auf EU-Ebene immer wieder diskutiert. Im März 2023 legte die EU-Kommission ein Paket zur Straßenverkehrssicherheit vor, das verpflichtende Gesundheitsüberprüfungen für alle ab 70 Jahren vorsah. Dieser Vorschlag wurde im EU-Parlament abgelehnt. Der damalige Verkehrsminister Volker Wissing setzte sich auch gegen die Fahrtests für Ältere ein. Die im November 2025 beschlossene Richtlinie enthält daher keine solche Passage. Sie sieht ärztliche Untersuchungen oder medizinische Selbstbeurteilungen nur für die Ausstellung von Führerscheinen vor. Altersdiskriminierung, etwa bei der Aussetzung oder Einschränkung des Führerscheins, wird explizit ausgeschlossen. Die Richtlinie muss von den Mitgliedstaaten, also auch von Deutschland, innerhalb von drei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden.


Kontext: Die drei von uns untersuchten Kanäle wurden zwischen September und November erstellt und veröffentlichten seitdem viele Videos, offenbar um schnell Aufmerksamkeit zu erregen. Ähnliche Kanäle sind CORRECTIV.Faktencheck bereits früher aufgefallen. Sie haben nach einem vergleichbaren Muster Falschmeldungen über höhere Renten oder vermeintlich sensationelle Nachrichten über Politikerinnen und Prominente verbreitet.


Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Anna Süß; Redigatur: Viktor Marinov