Zum Inhalt springen

Irreführend

Hantavirus: Pfizer-Dokument zeigt keine bestätigten Nebenwirkungen von Corona-Impfung

18. May 2026

Zum Hantavirus und der Corona-Schutzimpfung kursieren irreführende Meldungen

Zum Hantavirus und der Corona-Schutzimpfung kursieren irreführende Meldungen

Bild: Mikalai Sayevich / imageBROKER / Picture Alliance

Behauptung

Ein internes Papier von Pfizer belege, dass das Hantavirus als eine Nebenwirkung der Corona-Impfung gelistet sei.

instagram.com

Einordnung

Irreführend. Das Hantavirus kommt in einem Sicherheitsbericht von Pfizer vor, es handelt sich aber nicht um eine offizielle Auflistung von Nebenwirkungen der Covid-19-Impfung. In dem Bericht geht es um ungeprüfte Meldungen von Komplikationen.

Faktensammlung

  1. Ein virales Video auf Instagram behauptet, das Hantavirus sei als Nebenwirkung der Corona-Impfung in einem internen Dokument von Pfizer aufgelistet. Der Beitrag vom 8. Mai 2026 bezieht sich auf einen Sicherheitsreport der Pharmafirma Pfizer, die einen der gängigen Corona-Impfstoffe produziert. Das Video wurde bis zur Veröffentlichung über 700.000 Mal angesehen und 14.000 Mal mit „Gefällt mir“ markiert. Die Behauptung, die international kursiert, ist irreführend: Hantavirus kommt in dem Dokument zwar tatsächlich vor, jedoch nicht als offiziell von Pfizer gelistete Nebenwirkung der Impfung. Auf unsere Anfrage antwortete der Instagram-Account, der das Video veröffentlichte, nicht.

  2. Der Bericht mit dem Titel „Cumulative analysis of post-authorization adverse event reports of pf-07302048 ​​(BNT162B2) received through 28-FEB-2021“ war bereits in der Vergangenheit Gegenstand von Desinformation. CORRECTIV.Faktencheck prüfte im Januar 2022 sehr ähnliche Behauptungen: Auch hier wurden eingereichte Meldungen, zum Beispiel zu Todesfällen oder Fehlgeburten, als belegte Nebenwirkungen interpretiert. Das Dokument ist ein Sicherheitsbericht von Pfizer. Pharmakonzerne müssen solche vor der Zulassung eines neuen Impfstoffes stets bei den Kontrollbehörden des jeweiligen Landes einbringen. Wie die Zulassung des Covid-19-Impfstoffes für Deutschland funktioniert, erklärt das Paul-Ehrlich-Institut auf seiner Webseite.

  3. Der Bericht listet Meldungen zu potenziellen Nebenwirkungen („adverse event reports”) auf, die Pfizer von der ersten Notfallzulassung des Comirnaty-Impfstoffes am 1. Dezember 2020 (in Großbritannien) bis zum 28. Februar 2021 nach eigenen Angaben bekannt waren. Ob diese Meldungen auf die Impfung zurückzuführen sind, ist dadurch nicht belegt. Im Methodik-Teil heißt es dazu: Die Sicherheitsdatenbank von Pfizer beinhalte Fälle, die „spontan“ an Pfizer gemeldet wurden, von Gesundheitsämtern übermittelt wurden oder aus medizinischer Literatur oder von klinischen Studien stammen. Sie würden unabhängig davon aufgenommen, ob ein Zusammenhang zur Impfung bestätigt wurde oder nicht. Ein Beispiel: Kommt eine Person ein paar Wochen nach der Covid-19-Impfung in einem Verkehrsunfall ums Leben, so könnte dies auch in der Statistik als Todesfall zu finden sein, obwohl es keinen kausalen Zusammenhang mit der Impfung gab. In der Tat finden sich in den Auflistungen auch Diagnosen, die nicht vom Impfstoff ausgelöst werden können. Auf aktuelle Nachfrage bestätigte ein Pressesprecher von Pfizer gegenüber Reuters: Der Verweis sei kein Beweis dafür, dass der Impfstoff eine Hantavirus-Lungeninfektion verursache.

  4. Erst im nächsten Schritt werden die gemeldeten Fälle ausgewertet und überprüft, ob sie in kausalem Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten. Alle so ermittelten möglichen Nebenwirkungen werden im Beipackzettel veröffentlicht. Für die Covid-Impfung von Pfizer ist das Hantavirus nicht darunter.

  5. In der Beschreibung des Instagram-Videos steht, der Bericht sei erst nach der Klage einer Gruppe von Journalisten, Ärzten und Wissenschaftlern veröffentlicht worden. Das ist überwiegend korrekt. In den USA gibt es für US-amerikanische Bürgerinnen und Bürger seit 1967 die Möglichkeit, von Bundesbehörden die Veröffentlichung von Dokumenten mittels eines Antrags im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes (Freedom of Information ACT Request, FOIA) anzufordern. Einen solchen Antrag stellte eine Gruppe namens „Public Health and Medical Professionals for Transparency“ im August 2021. Sie forderten von der US-Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) die Freigabe aller Daten und Informationen zu dem Impfstoff von Pfizer/Biontech, die bislang nicht öffentlich zugänglich waren. Der FOIA-Antrag von 2021 findet sich auf der Webseite der FDA unter der Nummer 2021-5683 (Excel-Datei, Zeile 7615). Die FDA lehnte eine beschleunigte Herausgabe der Dokumente zunächst ab, dagegen klagte die Gruppe. Aufsehen erregte das weitere Verfahren auch in den Medien, da es laut FDA etwa 55 Jahre dauern würde, um die gesamten Dokumente verfügbar zu machen. Allerdings wurden Teile der Daten aus den veröffentlichten Pfizer-Dokumenten bereits vorher für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Hersteller Pfizer/Biontech veröffentlichte die Ergebnisse der Phase-3-Studie im Dezember 2020 im New England Journal of Medicine. In der Studie werden auch gemeldete Nebenwirkungen dokumentiert. Die FDA bestätigte damals gegenüber der Faktencheck-Organisation Full Fact die Echtheit des im Instagram-Video gezeigten Dokuments.

  6. Hantaviren sind seit Jahrzehnten bekannte Viren. Anfang Mai 2026 starben drei Menschen nach einer Infektion mit einer bestimmten Variante des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff, darunter eine deutsche Person. Anders, als bei bisher in Europa verbreiteten Varianten des Virus, ist der Andes-Typ auch von Mensch zu Mensch übertragbar – Ansteckungsgefahr besteht sonst nur bei Kontakt mit infizierten Nagetieren. Infektionen sind in Deutschland meldepflichtig, laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) erkranken üblicherweise nur einige hundert Personen pro Jahr in Deutschland. In den vergangenen 25 Jahren registrierten die Behörden einen einzigen Todesfall.

Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Sara Pichireddu; Redigatur: Sophie Timmermann

CORRECTIV.Faktenforum

Ein Gerücht in der Messengergruppe, eine Parole am Stammtisch, ein gefälschtes Video in einem Sozialen Netzwerk – Desinformation hat viele Gesichter und begegnet uns an unterschiedlichen Orten. Im CORRECTIV.Faktenforum kannst du Falschbehauptungen zusammentragen und etwas gegen sie unternehmen. Ob mit oder ohne Vorkenntnisse – werde Teil der Community und checke gemeinsam mit uns Fakten.



© 2026 CORRECTIV.Faktenforum. Alle Rechte vorbehalten.