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Irreführend

10. April 2026

Kein Zulassungsstopp: Video zu mRNA-Impfung in der Schweiz ist irreführend

Behauptung

In der Schweiz solle die Zulassung von mRNA-Impfstoffen gestoppt werden.

youtube.com

Einordnung

Ein Youtube-Video stellt eine politische Forderung irreführend als Beschluss dar. Was stimmt: mRNA-Impfstoffe sind in der Schweiz weiterhin zugelassen, es gibt dazu keine neue Regel.

Faktensammlung


Es sei garantiert die Meldung der Woche, sagt ein Youtuber Mitte März in einem seiner Videos. Darin behauptet er, dass die Zulassung von mRNA-Impfstoffen in der Schweiz gestoppt werden soll. Später im Video führt er aus: „Die Schweiz hat Anfang März, also wirklich Anfang diesen Monats, eine Motion eingereicht, eine politische Motion. Und man hat hier gesagt, wir wollen die mRNA-Impfstoffe vorübergehend von der Zulassung aussetzen, weil uns die klinischen Studien dazu nicht mehr ausreichen.“ Mehr als 70.000 Aufrufe hat das Video auf Youtube, weitere 100.000 kommen bei einer Kurzversion auf Tiktok dazu. In den Kommentaren hinterfragen Nutzerinnen und Nutzer allerdings den Inhalt. „Ich glaube es noch nicht…“, heißt es im Kommentar mit den meisten Likes. „Hoffentlich stimmt das“, schreibt ein anderer Nutzer.


Im Kern der Behauptung steht die „politische Motion“, von der der Youtuber spricht. Das ist ein politisches Instrument in der Schweiz, das weder ein Beschluss noch eine abgeschlossene Regelung ist. Eine Motion kann im Schweizerischen Parlament entweder ein Ratsmitglied oder die Mehrheit der Kommission einreichen. Die Motion beauftragt den Bundesrat, eine bestimmte Maßnahme zu treffen. Sobald eine Motion eingereicht ist, beraten ein Erst- und danach ein Zweitrat darüber. Dabei kann die Motion angenommen, abgelehnt oder auch geändert werden. Wird sie angenommen, entscheidet der Bundesrat darüber, ob sie umgesetzt wird. Dieser Prozess kann Monate oder auch Jahre dauern. Laut einem Faktenblatt des Schweizerischen Parlaments wurden in der 51. Legislaturperiode 2.342 Motionen erledigt: 398 wurden angenommen (rund 17 Prozent), die restlichen abgelehnt, abgeschrieben oder zurückgezogen.


Die konkrete Motion, auf die sich die Behauptung bezieht, lässt sich schnell finden. Denn der Youtuber nennt den Nationalrat Rémy Wyssmann als derjenige, der „das Ganze anführt“. Wyssmann sitzt für die rechtspopulistische Schweizerische Volkspartei (SVP) im Nationalrat. Beteiligt daran ist auch das „Aktionsbündnis freie Schweiz“, das sich laut seiner Webseite gegen den WHO-Pandemievertrag und das EU-Gesundheitsabkommen ausspricht. Wyssmann hat die Motion am 2. März 2026 eingereicht, wie auf der Seite des Schweizer Parlaments nachzulesen ist. Mehr ist damit bislang nicht passiert. Sie ist also zunächst eine politische Forderung und keine beschlossene Regelung. Ihre Zulassung in der Schweiz verlieren mRNA-Impfstoffe dadurch nicht.


Wir konfrontierten den Inhaber des Youtube-Kanals mit unserer Recherche. Bis zur Veröffentlichung bekamen wir keine Antwort. Auf seinem Kanal veröffentlicht er immer wieder Meldungen, die Angst machen sollen, und wirbt darin für eigene Seminare, um „aus dem System“ rauszukommen.


Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Steffen Kutzner