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Falsch

15. January 2026

Maduro-Gefangennahme: Video zeigt Feier in Argentinien

Behauptung

Ein Video zeige, wie Menschen in Venezuela die Gefangennahme von Maduro feiern.

facebook.com

Einordnung

Das Video zeigt eine Feier in Buenos Aires, Argentinien. Am 3. Januar versammelten sich dort nach Medienberichten tausende Menschen, um die Gefangennahme von Maduro durch die USA zu feiern.

Faktensammlung


Eine feiernde Menge schwenkt Flaggen vor der Kulisse einer Großstadt: Das zeigt ein kurzes Video, das sich auf Facebook und X verbreitet. Laut den Beiträgen soll es eine Versammlung in Venezuela zeigen, nachdem die USA den bis dahin amtierenden Machthaber Nicolás Maduro und seine Ehefrau gefangen genommen haben. Andere Beiträge mit demselben Video geben teilweise keinen Ort an, behaupten, dass es eigentlich eine Feier nach der Fußball-Weltmeisterschaft in Argentinien zeige oder doch eine Feier nach Maduros Gefangennahme in Argentinien.


Wir haben im Video nach Details gesucht, die auf den Ort hinweisen. Bei Sekunde 10 ist auf einer Gebäudefassade oben rechts ein auffälliges Banner mit den Worten „Siglo 21“. Eine Google-Suche mit diesen Worten führt zu der Seite einer argentinischen Universität – ihr Logo ist identisch mit jenem an der Fassade. Siglo 25 ist eine Privatuniversität mit mehreren Standorten in Argentinien. Ein Obelisk, der bei Sekunde 6 im Video zu sehen ist, führt uns zum Standort der Aufnahme. Eine Google-Suche mit den Worten „Obelisk“ und „Argentinien“ führt uns zu Bildern des Denkmals, das sich in Buenos Aires befindet. Ein Vergleich mit Aufnahmen von Google Street View belegt, dass es sich um den Ort des Videos handelt: Links und rechts stehen dieselben Gebäude, auch das Logo von „Siglo 21“ ist zu sehen.


Weitere Aufnahmen und Medienberichte belegen, dass es in Buenos Aires am 3. Januar eine Versammlung gab, auf der Menschen aus Venezuela die Gefangennahme von Maduro feierten. Laut einem Bericht der Lokalzeitung Buenos Aires Times versammelten sich am 3. Januar Exil-Venezolanerinnen und -Venezulaner am Obelisken in Buenos Aires. Tausende geflohene Venezolaner feierten in der argentinischen Hauptstadt, aber auch in Chile, Mexiko und Miami. CNN Brasilien zitierte einen Venezolaner mit folgenden Worten: „Wir hofften, dass Venezuela frei sein würde, dass wir zurückkehren könnten. Ich persönlich möchte als junger Mensch in mein Land zurückkehren und alles tun, was ich kann, um ihm beim Wiederaufbau zu helfen.“ Ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft gab es Anfang Januar nicht. Die aktuelle Männer-WM beginnt im Juni 2026, die Frauen-WM findet 2027 statt. 2022 gab es anlässlich der WM eine große Feierlichkeit rund um den Obelisken in Buenos Aires. Viele trugen dabei Trikots der argentinischen Fußballmannschaft – das ist bei der aktuellen Aufnahme nicht der Fall. Wir fanden außerdem keine Hinweise darauf, dass das Video schon 2022 kursierte.


Seit dem 3. Januar kursieren zu der Gefangennahme von Maduro und den Reaktionen darauf viele Aufnahmen, die aus dem Kontext gerissen oder gefälscht sind. CORRECTIV.Faktencheck hat bereits zwei Videos geprüft, die Feiern in Venezuela zeigen sollen, aber aus Chile stammen. In Venezuela waren die Straßen nach Medienberichten weitgehend menschenleer, über große Feiern gibt es dagegen keine Medienberichte. Renata Segura, Programmdirektorin der International Crisis Group, sagte der Deutschen Welle dazu: „Ich glaube, dass für die große Mehrheit der Venezolaner das Ende von Maduro eine positive Nachricht ist. Aber weil keine Klarheit über die nähere Zukunft besteht und sogar Angst vor Gewalt und einem Bürgerkrieg herrscht, bleiben die Venezolaner lieber zu Hause.“


Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Gabriele Scherndl