Einordnung
Ein Bild gibt vor, einen riesigen Schrottplatz für Windräder zu zeigen. Das Bild ist nicht echt, sondern KI-generiert. Rotorblätter sind zwar schwer zu recyceln, doch es gibt schon erste Ansätze.
Faktensammlung
„Wohin mit dem Schrott? Die Müllberge wachsen“: Das steht unter einem Bild von einem vermeintlich riesigen Schrottplatz mit Windradteilen. Das Bild findet sich in mehreren Beiträgen auf X und erreicht so rund 140.000 Aufrufe. In den Kommentaren weisen mehrere Nutzerinnen und Nutzer darauf hin, dass das Bild mit einer Künstlichen Intelligenz (KI) generiert sein könnte, während einer der Verbreiter darauf beharrt, es sei echt.
Es gibt mehrere visuelle Auffälligkeiten, die in Summe dafür sprechen, dass das Bild mit einer KI erstellt wurde. Der gelbe Bagger scheint unverhältnismäßig klein für die großen Windradteile. Die Logos am Baggerarm und am Wagen unterscheiden sich in Form und Größe. Sie sollen mit ihrer weißen Schrift auf schwarzem Hintergrund wohl an die Fahrzeuge der Marke Cat erinnern, doch die Buchstaben ergeben keinen Sinn – ein typischer KI-Fehler. Unrealistisch erscheint zudem, dass unmittelbar neben einem Schrottplatz für Windradteile gleichzeitig mehrere funktionierende Windräder stehen. Auch eine Bilder-Rückwärtssuche führte zu keinen Hinweisen darauf, dass der abgebildete Schrottplatz echt sein könnte.
Unten im Bild wird auf die Seite Nordkurier.de verwiesen. Der Nordkurier ist eine regionale Tageszeitung, die in Teilen von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erscheint. Das Bild fanden wir auf der Seite der Zeitung nicht, weder mit einer Bilder-Rückwärtssuche noch mit gezielten Stichwortsuchen. Wir fanden jedoch einen Artikel, dessen Überschrift dem Text im KI-Bild ähnelt: „Die Müllberge aus Windrädern werden immer größer: Doch wohin mit dem Schrott?“ Der Artikel berichtet über die Antwort der Bundesregierung vom 2. Januar auf eine Kleine Anfrage der AfD zur Entsorgung von Windrädern. Die Bundesregierung verweist darin auf eine Studie des Umweltbundesamts (UBA), nach der bis 2040 etwa 403.000 bis 642.000 Tonnen schwer zu recycelnde Abfälle aus Rotorblättern anfallen würden. Mehr dazu siehe Fakt 5.
In der linken oberen Ecke des KI-generierten Bilds stehen die Worte: „Unsere Heimat, unsere Entscheidung. Keine Windkraftanlagen im Erzgebirge“. Eine Suche danach führt zu einer Facebook-Gruppe namens „Gegenwind Erzgebirge“, wo wir auch das KI-Bild finden. Ein Nutzer und Gruppenadministrator hat es am 20. Januar veröffentlicht, dem Erscheinungsdatum des Nordkurier-Artikels. Aus dem Beitragstext wird deutlich, dass der Nutzer sich auf den Artikel bezieht und das KI-Bild als „Symbol“ dazu selbst erstellt hat. Diese Information ergänzte er offenbar erst nach Hinweisen durch Nutzerinnen. Durch die Weiterverbreitung des Bilds auf anderen Plattformen wie X ging der KI-Hinweis jedoch verloren. Der Nutzer lädt in der Facebook-Gruppe immer wieder KI-Bilder hoch, die sich gegen Windkraftanlagen richten – am 6. Februar etwa Windräder vor einer düsteren Kulisse, ein einschlagender Blitz und ein Haufen brennende Geldscheine. Auf unsere Anfrage an den Facebook-Nutzer, warum er sich für ein KI-Bild entschieden hat, erhielten wir keine Antwort.
Das Recyceln einiger Teile von Windrädern ist tatsächlich problematisch. Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) haben sie eine Lebensdauer von etwa 20 bis 30 Jahren, danach müssen sie zurückgebaut werden. Fabian Rechsteiner forscht zu dem Thema am Fraunhofer-Institut Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik (IGCV). In einem Interview für das Institut sagte er: „Die Anlagen werden abgebaut und recycelt. Der Turm aus Stahl wird wiederverwertet und das Fundament aus Zement wird zum Beispiel im Straßenbau genutzt. Das umfasst fast 90 Prozent der Anlage.“ Nordex, einer der größten Herstellern für Windkraftanlagen, gab 2023 ebenfalls an, dass 85 bis 95 Prozent von einer Anlage recyclebar sind. Das größte Problem beim Recycling sind die Rotorblätter. Sie bestehen je nach Art aus einer Mischung verschiedener Materialien, etwa Holz, Metall und Schaum, die entweder mit Glasfaser (GFK) oder Carbonfaser (CFK) verstärkt sind. Rechsteiner kritisiert, dass sich Hersteller und Politik bislang nicht genug Gedanken über das Recycling der Rotorblätter machen. Es gibt jedoch bereits auch Ansätze für das Recycling. Glasfaserkunststoffe können laut Volker Trappe, Leiter des Fachbereichs Polymere Verbundwerkstoffe beim Bundesanstalt für Materialforschung, in Zementwerken als Zuschlagstoff für das Zement selbst und als Brennstoff benutzt werden. Für CFK sei das nicht sinnvoll, sie können aber etwa in der Stahlproduktion zum Einsatz kommen. Fabian Rechsteiner forscht zudem an einem Prozess, der die Carbon- oder Glasfaser trennen und anschließend zu einem Textil verarbeiten soll.
Wir konnten bei einer Suche keine echten Bilder finden, die eine so große Ansammlung an Windrad-Schrott wie auf dem KI-Bild zeigen. Bei den meisten Bildern handelt es sich wie beim Foto im Nordkurier um einzelne Windräder. Das Ablagern oder Vergraben von Rotorblättern im Boden ist in Deutschland unzulässig, wie uns der Pressesprecher des Entsorgungswirtschaftsverbands BDE, Dirk Böttner-Langolf, im September 2025 für eine andere Recherche per E-Mail schrieb. In dem Blog Erneuerbare Energien.NRW hieß es im Jahr 2018, eine Deponie-Lagerung komme nicht infrage. Der Grund: Rotorblätter werden unter anderem aus glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) hergestellt, deren Deponierung in Deutschland seit 2005 gesetzlich verboten ist. Torsten Müller, der sich am Fraunhofer Institut für Chemische Technologie mit der Verwertung von faserverstärkten Kunststoffen befasst, schrieb uns 2023 per E-Mail, es kursierten durchaus Bilder größerer Mengen von Rotorblättern, die auf Freiflächen gelagert sind, dabei handele es sich aber um Lagerplätze bis zu einer weiteren Behandlung. Teilweise werden die Rotorblätter auch im Ausland deponiert. Wie groß deren Anteil ist, ist unklar. In einem Bericht der Bundes/-Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall von 2019 hieß es: „Ein relevanter Anteil der in Deutschland in den vergangenen Jahren abgebauten Windenergieanlagen wurde zur weiteren Verwendung ins Ausland exportiert“. Der Deutschlandfunk berichtete 2025 etwa über eine illegale Entsorgung von Rotorblättern aus Deutschland in Tschechien.
Kontext: Zu der Entsorgung von Windrädern kursieren seit Jahren Bilder, die an der Realität in Deutschland vorbeigehen. Seit 2020 verbreitet sich ein Bild von vergrabenen Rotorblättern, das aber aus einer Mülldeponie in den USA stammt. Ein anderes Bild soll belegen, dass der Sockel von Windrädern nach einem Abriss im Boden bleibe – auch das passiert in der Regel nicht.
Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Paulina Thom
